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Ruth Anselm

(1909-1995)

Ruth Anselm wurde als Ruth Henschke am 3. Juli 1909 geboren. Sie erhielt ihre Tanzausbildung an der Trümpy-Skoronel-Schule in Berlin und war Mitglied der Tanz-Gruppe von Vera Skoronel. Von 1929 bis 1933 war sie Tänzerin an der Städtischen Oper Berlin. Manche Quellen nennen sie Solotänzerin. 1933 wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen. 

Anschließend arbeitete sie im Jüdischen Kulturbund Berlin als Tänzerin, Schauspielerin und Sängerin und trat auch in Breslau auf. 1938 wurde sie entlassen, weil sie emigrieren wollte. 1939 gelang ihr die Emigration in die USA. Sie lebte in New York und teilweise in Israel. 

In erster Ehe war sie bis 1941 mit dem Bühnenbildner Heinz Condell (eigentlich Heinz Cohn) verheiratet. Später heiratete sie erneut und erhielt den Namen Herzog.

Ob sie in den USA weiter getanzt oder unterrichtet hat, ließ sich bisher nicht feststellen. 

Aus ihrer Entschädigungsakte entstammt die Information, dass ihre Mutter Martha Henschke während der NS-Zeit ermordet wurde. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs ist vermerkt, dass sie am 9. Dezember 1942 von Berlin ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Ihr Todesdatum ist der 3. Juni 1943. 

1992 besuchte Ruth Anselm auf Einladung der Akademie der Künste anlässlich einer Veranstaltung zum Gedenken an den jüdischen Kulturbund in Berlin ihre ehemalige Heimatstadt. Daran erinnerte sie sich so: „Berlin ist mir so fremd. Ich bin durch die Straßen gelaufen und habe gedacht, Gott, was hat man aus dieser Stadt gemacht. Sie hat keinen Esprit mehr, wo ist die Eleganz geblieben. Sie ist amerikanisch geworden. Der Tauentzien und der Kurfürstendamm sind doch Billigstraßen, überall diese fliegenden Händler und Fast Food an jeder Ecke. Das waren mal Boulevards, jetzt sieht man nur noch Massenkultur. Ganz Berlin ist eine Kopie, nur das Beste hat man nicht kopiert. Hier schlägt einem alles entgegen, was ich zeitlebens in Amerika nicht ausstehen konnte. Nivellierung und graues Mittelmaß. Einzig in Berlin-Mitte findet man Spuren von der Stadt, die wir liebten. Wir sind hier so gastfreundlich aufgenommen worden, aber ich fahre sehr traurig zurück. Es war mein letzter Besuch in Deutschland. Sehr schön war das Theater am Schiffbauerdamm (das Berliner Ensemble). Dort bekam ich als 15jährige meine erste winzige Rolle, in einem Stück, das ich schon vergessen habe. 1928 spielte ich dort mit in der Dreigroschenoper. Das ist genauso, wie es war, es führte mich zurück in die Atmosphäre, die ich mal geliebt hatte. Damals war ich voller Illusionen und dachte, die Welt steht mir als Tänzerin offen. Das war dann nicht so.“ (taz, 8.4.1992)

Weitere Quellen: Gedenkbuch des Bundesarchivs, New York Public Library, Google KI und ChatGPT